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Ressort: theALPS, Chronik, Tourismus, Wirtschaft

Datum: 06. Jun. 2011

Ort: Innsbruck / Tirol

Erlebnis- und Erfahrungsraum Alpen: Das Juwel Berg

Ein hochkarätig besetztes Symposium zum Erlebnis- und Erfahrungsraum Alpen bildete am Montag einen weiteren Höhepunkt des Messe- und Netzwerkformats theALPS 2011. Eröffnet wurde auch erstmals der neuartige Handelsraum von theALPS: "A new way of trading" wurde real.

Der zweite Tag von theALPS 2011 stand ganz im Zeichen des Symposiums „Future Mountain“, an dem Touristiker aus dem gesamten Alpenraum teilnahmen. Die zentrale Frage ist: Wie inszenieren wir die Alpen, und welche Werte spielen dabei eine Rolle, um authentisch zu bleiben?

„Die Alpen dürfen nicht auf eine Kulisse reduziert werden“, meinte Dr. Petra Stolba (GF Österreich Werbung) im Rahmen ihrer Begrüßungsrede. „Wir wollen, dass die Alpen integrativer Bestandteil des österreichischen Tourismusproduktes sind. Dabei spielen die Gastgeberqualitäten im heimischen Tourismus eine besondere Rolle.“

„Es geht um einen touristischen Schulterschluss für eine gemeinsame Destination Alpen“, richtete Gastgeber Josef Margreiter (GF Tirol Werbung) einen emotionalen Appell an die über 300 Gäste des Symposiums. „Wir sind bereit für eine gemeinsame Zukunft.“ Eine Zukunft, in der Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede eine Rolle spielen werden und sollen.

Das Juwel Berg – der Erlebnisraum

Prof. Dr. Hansruedi Müller (Direktor des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus an der Universität Bern) zeigte in seinem Impulsvortrag Wege für den alpinen Tourismus auf. „Es sind immer wieder die Veränderungen, die Mut machen sollen“, so sein Eingangsstatement: Klimaveränderungen, Erschließung oder „Vermassung“ würden die sensiblen Räume in den Alpen in besonderem Maße belasten und einen schleichenden Verlust kultureller Vielfalt nach sich ziehen. Diese Veränderungen schüren den Investitions-, aber auch den Innovationsbedarf.

„Wir orten allerdings geringes Innovationsvermögen im Tourismus und einen Stau bei der Umsetzung von Erkenntnissen“, so Müller. „Wachstumsglaube und Sachzwänge dominieren noch.“ Moore-of-the-same-Produkte seien das nicht optimale Ergebnis. Qualität ist deshalb für Müller der Schlüssel für die touristische Zukunft der Alpendestinationen – er prophezeit einen Wertewandel im Alpentourismus. Dabei spielen vor allem Erlebnisse und Emotionen eine wesentliche Rolle. „Wir können Ereignisse schaffen und das Umfeld manipulieren, um Erlebnisse zu ermöglichen.“

Nach Vorstellung des Schweizer Tourismusforschers sei Erlebnis-Inszenierung die Kunst, auf den Bauch zu zielen und die Brieftasche zu treffen. Ausgehend von einem Thema (Müller: „Der Gast muss dieses Thema spüren können“) braucht es ein Inszenierungskonzept, das Attraktionen schafft, Aktivitäten ermöglicht, Besucher lenkt und damit Mehrwert und Wohlbefinden schafft. „Achten Sie immer auch auf die Szenerie Ihrer Attraktionen“, so die Empfehlung des Tourismusexperten, „da kann man viel entrümpeln, damit Highlights wieder gut zur Geltung kommen können.“

Die Touristiker des Alpenraumes müssten das Wohlbefinden ihrer Gäste sicherstellen, dazu zählen physiologische, soziale, aber auch Sicherheitsbedürfnisse. „Es braucht einen sorgsamen Umgang mit dem Mythos Alpen“, so das Fazit von Hansruedi Müller, „die Zeichen stehen auf Veränderung. Die Chancen können wir nur nutzen, wenn die Qualität stimmt und wenn wir es schaffen, die richtige Atmosphäre zu schaffen.“

Alpine Seilschaften

Ganz besondere Relevanz hat die „Erfahrung Berg“ für den Altbischof der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck, Dr. Reinhold Stecher, der in seinem ergreifenden Vortrag die den alpinen Sportarten, insbesondere dem Klettern, immanenten Werte wie Gesundheit, Kameradschaft, Mut und Verantwortung zur Sprache brachte. Dazu zählen auch die sozialen Werte, die Bergerfahrungen im Team mit sich bringen: „Eine Woche am Seil hat bei meinen Studenten mehr Verbundenheit geschaffen als ein Jahr Vorlesung“, resümierte der Altbischof bei seinem Impulsvortrag und betont dabei die Rolle der Bildung, die dem Berg zukommt: „Bergsteigen bietet edle Räusche, die keinen Kater hinterlassen. Und ich war immer der Meinung, dass man jungen Menschen edle Räusche bieten muss, damit sie sich nicht den weniger edlen zuwenden“, so Stecher.

Ganz besondere Bedeutung hat der Berg, so Stecher, aber auch für den alten Menschen. Die guten und schönen Gedanken treten zutage, das Langzeitgedächtnis ermöglicht den Eintritt in die Galerie der Erinnerungen. „Die Erfahrung Berg hat etwas mit dem letzten Leuchten zu tun, mit dem letzten Strahlen der Abendsonne. Daher danke ich dem Berg heute als Erzieher, als Seelsorger und als sehr alter Mensch.“ Auch die spirituelle Dimension der alpinen Landschaften hob der Altbischof hervor: „Am Berg bekommt die Seele Flügel.“

Grundlagen für den Berg

Im Anschluss an die beiden Impulsreferate präsentierte Prof. Dr. Ralf Roth von der Deutschen Sporthochschule Köln die Ergebnisse einer Grundlagenstudie zum Thema Wintersport in Deutschland, für welche repräsentative Daten zur aktuellen Größe und Struktur des Wintersport-Marktes in Deutschland erhoben wurden. Neben einer bundesweiten Telefonbefragung mit 2000 Teilnehmern im Zeitraum Dezember 2010 bis Januar 2011 zur Struktur und Größe des Marktsegments wurden in einem Online-Panel rund 4000 deutsche Wintersportler nach ihren Aktivitäten und Präferenzen befragt. Die Veröffentlichung der Studie steht mit Mitte Juni 2011 unmittelbar bevor, doch bereits jetzt gab Roth erste Einblicke in die Ergebnisse der Studie:

Demnach ist, gemessen am europäischen Durchschnitt, der Anteil der Wintersport-erfahrenen Bundesbürger mit 52 Prozent vergleichsweise hoch. 15 Millionen Menschen in Deutschland haben Ski-Alpin Erfahrung, in der Saison 2009/2010 übten 7,4 Millionen Menschen diesen Sport auch aktiv aus. Deutschland verfügt demnach über viele Wintersportler, allerdings ist rund die Hälfte saisonal inaktiv. Ziel der Grundlagenstudie ist es, Hinweise auf mögliche Einflussfaktoren für die Aktivierung dieses brach liegenden Potenzials zu finden. Roth: „Wintersport ist für viele zu teuer, ausschlaggebend sind auch familiäre Gründe oder die gesundheitliche Situation.“

Besonders spannend ist für die Wissenschaftler im Moment das Thema Langlauf. Studienautor Ralf Roth: „Wir zählen hier derzeit deutlich mehr als zwei Millionen Aktive.“ Bedenklich stimmt die Forscher, dass nur mehr ein Viertel der aktiven deutschen Wintersportler aus Haushalten mit Kindern kommt. „Hier stellt sich die Frage, wie wir den Nachwuchs sichern können“, so Roth. Als strategisches Handlungsfeld wurde von der Deutschen Sporthochschule Köln zum einen das Thema Gesundheitsvorsorge identifiziert. Roth: „Es fehlen uns noch fundierte Unterlagen über die positiven Auswirkungen des Winter- und Alpinsports. Dieses Thema gehört in die Medien und nicht immer nur die Meldungen über alpine Unfälle.“

Handlungsbedarf sieht der deutsche Wissenschaftler auch im Bereich der Finanzierbarkeit, es fehlen vor allem Angebote im Einsteigerbereich und für die niedrigen bzw. mittleren Einkommensklassen. „Im Nachwuchsbereich müssen wir alle zusammenhalten“, lautete der Appell von Ralf Roth, „hier brauchen wir Sportarten-übergreifend neue Programme und Kampagnen.“ Wichtig seien auch innovative strategische Kooperationen auf den Alpen-Quellmärkten sowie Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung bei Klimaschutz und Verkehrsentwicklung.

Professionalisieren, emotionalisieren und Nachwuchs sichern

Ein hochkarätig besetztes Expertenpanel diskutierte zum Abschluss des Symposiums länderübergreifende Mittel und Wege zur Sicherung der Zukunft des alpinen Tourismus. Für Reto Poltéra, Mitglied der Geschäftsführung der Weissen Arena AG in Laax (CH), steht die Sicherung des Nachwuchses für den Berg im Zentrum der Bemühungen: „Wir müssen aktiv werden. Der Wintersport steckt in einer neuen Pubertät. Ski- und Snowboardschulen müssen die Ausbildungsverantwortung zusammen mit Universitäten übernehmen. Wir sollten in Ausbildungsanlagen und nicht in Skisprunganlagen investieren.“

In der Sicherstellung der Bequemlichkeit sieht Dr. Franz Tschiderer, Obmann der Destination Serfaus-Fiss-Ladis, den Schlüssel für künftigen Erfolg: „Die Gesamtleistung vieler alpiner Destinationen ist heute noch zu heterogen, unabgestimmt, zerrissen. Das merkt man nicht so sehr im Winter – weil dann die Bergbahnen als wichtigster Leistungsträger Schwächen in anderen Leistungsbereichen zudecken – sondern vor allem im Sommer.“ Länderübergreifend sieht Tschiderer daher die wichtigste Herausforderung für die alpinen Destinationen im professionellen Management: „Wir werden das Rad nicht neu erfinden, sondern kontinuierlich an der Verbesserung der Leistung arbeiten.“

Helmut Müller, Geschäftsführer der Input Projektentwicklung, ist mit Konzepten zur Inszenierung des Bergerlebnisses international tätig: „Die eigentliche Revolution am Berg beginnt für mich dann, wenn wir im Sommer denselben Deckungsbeitrag wie im Winter erwirtschaften. Das kann gelingen, wenn wir den Gästen wirkliche Erlebnisse am Berg bieten. Dann mache ich mir auch keine Sorgen um den Preis.“

theALPS - a new way of trading

Aber nicht nur die hochwertigen Symposiums-Beträge prägten den zweiten Tag von theALPS 2011. In der heuer erstmals durchgeführten Vollversion stand auch der Handelsraum des neuartigen Messe- und Netzwerkformates im Mittelpunkt des Interesses. Bereits im Vorfeld konnten sich Anbieter und Verkäufer auf einer virtuellen Handelsplattform Termine vereinbaren, die Angebote und Nachfragen durchforsten u. ä. Rund 700 Terminvereinbarungen wurden im Vorfeld des Messeformates virtuell getroffen und werden nun am Montag und am Dienstag im gelungenen Ambiente der Dogana im Congress Innsbruck das eigentliche touristische Geschäft für die alpinen Anbieter weisen.

Eröffnet wurde der Handelsraum im Congress Innsbruck vom Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, dem Tiroler Wirtschaftskammerpräsidenten Jürgen Bodenseer, sowie vom TISCOVER-Vorstandsmitglied Matthias Grundböck. In seinen Grußworten betonte Landeshauptmann Platter, dass in den vergangenen acht Monaten seit der Prologveranstaltung im September 2010 der Schulterschluss der Alpen gelungen sei. Jürgen Bodenseer unterstrich die Bedeutung der Vernetzung von virtuellem und realem Handelraum hier in Innsbruck und wünschte als Wirtschaftskammer-Präsident "gute Geschäfte".

Partner

theALPS 2011 wird durch folgende Wirtschaftskooperationen und Partner unterstützt:

Tiscover, Doppelmayr, Raiffeisen, Austrian, ALPS, Google, Swarovski Kristallwelten, Europäische Reiseversicherung, HOGAST, Flughafen Innsbruck, Munich Airport sowie Salzburg Airport.

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Eröffneten am Montag Nachmittag den Handelsraum von theALPS (v. l.): Jürgen Bodenseer, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, Günther Platter, Landeshauptmann von Tirol, sowie Matthias Grundböck, Vorstandsmitglied TISCOVER.

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Im Handelsraum von theALPS treffen sich derzeit rund 90 internationale Einkäufer mit ca. 160 unterschiedlichen Anbietern aus den Alpen.

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Freuen sich auf gute Geschäfte im theALPS-Handelsraum (v. l.): Hans Schenner, Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKÖ, Elisabeth Udolf-Strobl, Leiterin der Sektion Tourismus im Wirtschaftsministerium, der Tiroler Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer, Petra Stolba, GF Österreich Werbung, der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, und Josef Margreiter, GF Tirol Werbung.

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Von links: Josef Margreiter, GF Tirol Werbung, Altbischof Reinhold Stecher, Hansruedi Müller, Direktor des Forschungsinstitus für Freizeit und Tourismus an der Universität Bern), sowie Hubert Siller, Leiter MCI Tourismus.

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der Tiroler Altbischof Reinhold Stecher: "Die Erfahrung Berg hat etwas mit dem Leuchten zu tun, mit den letzten Strahlen der Abendsonne."

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Josef Margreiter, GF Tirol Werbung: "Hier geht es um einen touristischen Schulterschluss für eine gemeinsame Destination Alpen."

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Petra Stolba, GF Österreich Werbung, begrüßte die internationalen theALPS-Teilnehmer für das Gastgeberland Österreich.

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Hansruedi Müller: "Es sind immer wieder die Veränderungen, die uns Mut machen sollen - auch im Tourismus."

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Thema Wintersport: „Im Nachwuchsbereich müssen wir alle zusammenhalten“, lautete der Appell von Ralf Roth, „hier brauchen wir Sportarten-übergreifend neue Programme und Kampagnen.“

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