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Ressort: Österreichische Hoteliervereinigung, Politik, Tourismus, Wirtschaft

Datum: 20. Jan. 2010

Ort: Zell am See

ÖHV Kongress 2010 - Lust auf Weniger?

Mit politisch brisanten Themen und einem neuen Medienkonzept ging der erste Tag des heurigen Kongress der Österreichischen Hoteliervereinigung ÖHV in Zell am See über die Bühne.

Mit der Präsentation der neuen ÖHV-Bewertungsplattform www.bankencheck.at im Rahmen einer morgendlichen Pressekonferenz fiel der Startschuss für das Leitthema des Tages. „Die Banken sind nicht Opfer, die Banken sind Täter“, kritisierte ÖHV-Präsident Peter Peer in seiner Eröffnungsrede am ÖHV-Hotelierkongress 2010, „die Kreditwirtschaft hat Risiken falsch eingeschätzt und Produkte auf die Märkte geworfen, deren Inhalte sie selbst nicht mehr verstanden hat.“ Andererseits haben Hoteliers wie Dr. Wilfried Holleis, ein Initiator des Bankencheck-Projektes, den Eindruck, dass die Banken derzeit lediglich die Sicherheiten verstärken und die Margen erhöhen. Auf www.bankencheck.at können Unternehmer - auf Basis von 15 leitenden Kriterien - ihre Meinung über Kreditinstitute kundtun. „Macht braucht Gegenmacht“, gab sich Holleis überzeugt, „dann kann sich auch auf diesem Markt etwas tun.“ In einer prominent besetzten Banken- und Finanzrunde suchten die Experten, unter der anerkannt fachkundigen Moderation von Ronald Barazon, am Dienstag dann auch mögliche neue Spielregeln bei der Kreditvergabe.

Basel III wird die Rahmenbedingungen weiter verschärfen

Dr. Thomas Uhler, Vorstand der Erste Bank der österreichischen Sparkassen, begrüßte das Bankencheck-Projekt der ÖHV als wichtigen Schritt in Richtung Transparenz, zeigte sich aber gleichzeitig besorgt, dass mit Basel III der Gegenwind im Kreditgeschäft noch schärfer werden werde. Dr. Karl Sevelda, Vorstand der Raiffeisen Zentralbank, wies nachdrücklich darauf hin, dass die Banken ihr Hauptgeschäft nach wie vor mit Krediten machen. Wirklich ändern werden sich die Spielregeln bei der Kreditvergabe Seveldas Meinung nach aber nicht: „Es zählen heute - mehr denn je - die alten Tugenden, einerseits den Kunden zu kennen und andererseits Transparenz auf beiden Seiten, auch auf Seiten der Bank.“ Tatsache ist, so Dr. Franz Hartl von der Österreichischen Tourismusbank, dass Hoteliers im vergangenen Jahr große Probleme hatten, an zinsgünstige, vor allem aber an langfristige Kredite heranzukommen. „Ich kann die Banken nur warnen, ihre Riskmanager weiter so auf die Hoteliers loszulassen, wie das derzeit geschieht. Sonst gibt es bald keine Hausbanken mehr, und wir werden das Geld einkaufen wie Tomaten“, stellte Holleis den Kreditinstituten die Rute ins Fenster. Die Runde war sich letztlich in zwei Punkten einig: einerseits lasse sich das Kreditgeschäft nicht völlig mathematisieren, andererseits brauche es neue, vielleicht sogar kreative Ansätze im touristischen Kreditwesen. Die Idee, den Zinssatz beispielsweise an Umsatz oder Frequenz zu koppeln, fand im Publikum jedenfalls durchwegs Applaus.

Viel Prominenz am heurigen ÖHV-Hotelierkongress

Mit rund 560 Teilnehmern ist der Kongress heuer besonders stark besucht – nicht zuletzt auf Grund der zahlreich vertretenen Fach- und Politprominenz. Landeshauptfrau Mag. Gabriele Burgstaller legte in ihrem Eröffnungsstatement ein klares Bekenntnis für den Tourismus ab und versprach, sich weiterhin für eine Forcierung des Wintersports, vor allem in Schulen, und für die Herbstferien einzusetzen. Landeshauptmann-Stellvertreter und Tourismuslandesrat Dr. Wilfried Haslauer mahnte seinerseits Unterstützung der öffentlichen Hand bei der Verbesserung der Infrastrukturen sowie bei der Aufstockung der Marketingmittel ein. „Es ist eine Illusion zu glauben, dass der Mitarbeitermangel im Tourismus durch Langzeitarbeitslose abzudecken ist“, fand Haslauer klare Worte für die Saisonierregelung und forderte hier eine bessere Abstimmung auf die speziellen Bedürfnisse des Tourismus in Westösterreich. Viel Beachtung fand der Hauptvortrag von Prof. Dr. Fredmund Malik, Chairman des Malik Management Zentrums in St. Gallen. Das Pulver, so der Wirtschaftsfachmann, sei verschossen, die Mittel wären investiert, daher müssten sich alle auf eine Zukunft mit „weniger“ einstellen. Aber, so Malik, „für ein besseres Funktionieren braucht es nicht unbedingt mehr Geld.“ Denn wo immer etwas funktioniert, funktioniert es vernetzt! Deshalb wäre jetzt die richtige Zeit, Ballast abzuwerfen und mit „weniger“ „mehr“ zu erreichen.

Neues Medienkonzept mit Livestream im Internet

Erstmals wurde mit Fredmund Malik ein Vortrag vom ÖHV-Hotelierkongress via Livestream ins Internet übertragen. Damit hatten Touristiker und Interessierte, die nicht am Kongress teilnahmen, die Gelegenheit, „live“ mit dabei zu sein. Über die Social Media Plattformen www.twitter.com und www.facebook.com entwickelte sich parallel dazu ein Kommunikationsstrom, bestehend aus Live-Meldungen, O-Tönen, Fotos und Meinungsaustausch. Ein Experiment, das Potenzial in sich birgt. Über www.tourismusbesprechungsraum.at wurde zusätzlich ein Social Media Cockpit eingerichtet, wo über Videowall die einschlägigen Einträge auf Twitter und Facebook im Kongresssaal „in Echtzeit“ übertragen wurden. Ein Zusammenschnitt der Banken- und Finanzrunde vom 19. Januar 2010 sowie weitere Kurzvideos vom Kongress werden in den nächsten Tagen auf www.oeht.at, auf www.facebook.com/oehv sowie auf www.pressezone.at eingestellt.

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Lust auf Weniger? lautet das Motto beim heurigen ÖHV Kongress in Zell am See.

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ÖHV Präsidenten Sepp Schellhorn und Peter Peer.

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Landeshauptfrau Mag. Gabriele Burgstaller beim ÖHV Kongress in Zell am See.

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Prof. Dr. Holger Rust von der Universität Hannover stellte die Frage: Mehr oder weniger? Wie man die Gäste von morgen erreicht.

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Interview Dr. Holleis

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