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Ressort: Tiroler Sparkasse, Chronik, Wirtschaft
Datum: 30. Sep. 2009
Ort: Innsbruck
Großteil der Tiroler Unternehmer beurteilen ihre wirtschaftliche Situation positiv
Dieses Ergebnis zeigt eine von der Tiroler Sparkasse beim unabhängigen SOFFI-Institut in Auftrag gegebene Studie zur wirtschaftlichen Lage der heimischen Klein- und Mittelbetriebe. Heute Nachmittag wird die exklusive Analyse im Rahmen des Wirtschaftsdialogs den mehr als 300 teilnehmenden Wirtschaftstreibenden im Congress Innsbruck präsentiert.
"Im direkten Kontakt mit den Unternehmen in unserem Land registrieren wir seit Monaten viel größeren Optimismus als es die allgegenwärtige Krisenstimmung nahelegen würde", so Wolfgang Hechenberger, Firmenkundenvorstand der Tiroler Sparkasse.
Wie die Tiroler UnternehmerInnen die derzeitige Wirtschaftslage einschätzen und wie sie damit umgehen, steht auch im Mittelpunkt des heurigen Wirtschaftsdialoges der Sparkasse. Unter dem Titel "Die Kraft der Krise" beleuchten namhafte Referenten die Situation. Dr. Johannes Ditz, Leiter der Julius-Raab-Stiftung/Zentrum für soziale Marktwirtschaft, analysiert die kommenden Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik. Rennrollstuhlfahrer Thomas Geierspichler spricht über Chancen, die sich aus einer existenziellen, persönlichen Krise ergeben.
Die Tiroler Sparkasse hat im Vorfeld der Veranstaltung beim Innsbrucker SOFFI-Institut eine repräsentative Studie zur Krisenwahrnehmung der heimischen Betriebe in Auftrag gegeben, deren Ergebnis heute vorgestellt wird. Für diese Studie wurden über 300 Tiroler Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen zu ihrer wirtschaftlichen Situation, den Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Lage und ihrer persönlichen Befindlichkeit befragt. Das Ergebnis deckt sich zwar mit der Praxiserfahrung von Hechenberger, ist aber in seiner Deutlichkeit überraschend.
"Zum ersten Mal wurde mit empirisch-fundierten Daten erfasst, dass die global existierende Wirtschaftskrise offensichtlich nur sehr begrenzt auf das Tiroler Unternehmertum durchgeschlagen hat. Bemerkenswert ist etwa die Tatsache, dass ein Großteil der Befragten angab, gar nicht davon betroffen zu sein. Vor dem Hintergrund der sich aufhellenden Konjunktursituation kann man damit sagen, dass die heimischen Klein- und Mittelbetriebe keine fundamentale Wirtschafts-, sondern vor allem eine Stimmungskrise erleben", erklärt Hechenberger in einem Resümee zur Studie. “Letztlich macht die Studie deutlich, dass sich die Unternehmer in Tirol ‘den Schlusspfiff der Krise‘ herbeisehnen.“
Auch der Leiter der Julius-Raab-Stiftung in Wien, Dr. Johannes Ditz, meint: “Ich denke, wir sind an einem Wendepunkt und mit einem blauen Auge aus dieser ‘Fehlentwicklung‘ herausgekommen. Die Krise ist vorbei. Jetzt gilt für die österreichische Wirtschaftspolitik, wieder ein Klima des Vertrauens zu schaffen und die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen.“
Details zur Studie "Wirklichkeitswahrnehmungen der Tiroler Klein- und Mittelbetriebe"
"Die Wirtschaftskrise und ihre seit einem Jahr anhaltende Präsenz ist zentrales Thema dieser Studie", so der wissenschaftliche Leiter des renommierten SOFFI-Instituts Dr. Gerhard Wagner. "Dazu haben sich 316 Tiroler Unternehmen unseren Fragen zur Wahrnehmung der Wirtschaftskrise gestellt und es entstand ein scharf umrissenes Bild der direkten und indirekten Auswirkungen in der betrieblichen Praxis. In einer Serie von Vertiefungsinterviews mit Unternehmern konnten darüber hinaus tiefere inhaltliche Systemzusammenhänge herausgearbeitet werden."
Keine bis minimale Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Großteil der KMUs
72 bis 82 Prozent aller Tiroler KMUs – je nach Wirtschaftssparte – haben überhaupt keine oder wenn nur minimale Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Einzige Ausnahme bildet der Sektor Transport/Verkehr, wo sich nur 30 Prozent der Betriebe nicht stärker betroffen fühlen.
Neun Prozent der KMUs fühlen sich stark betroffen
Von der Krise stark betroffen wurden lediglich 9 Prozent der KMUs. Überraschend ist, dass nur jeder dritte Betrieb, der sich stark von der Krise betroffen fühlt, im ersten Halbjahr 2009 auch einen stärkeren Auftragseinbruch erlebte – bei den mittelstark betroffenen Betrieben ist es gar nur jeder vierte. Damit wird klar, dass Krise nicht automatisch mit Auftragseinbruch gleichzusetzen ist.
Optimismus und Gelassenheit der Unternehmer herrscht vor, jedes dritte Unternehmen ergriff aufgrund der Krise Maßnahmen
Von Krise kann auch keine Rede sein, wenn man das Erleben der Unternehmer und Geschäftsführer jener Betriebe zum Maßstab nimmt, die sich stärker von der Wirtschaftskrise betroffen fühlen: Auch in diesem Segment herrscht Optimismus und Gelassenheit vor, negative subjektive Erlebensformen wie etwa "pessimistisch" oder "hilflos" bleiben die Ausnahme.
Jedes dritte Unternehmen hat aufgrund der Krise eigens Maßnahmen ergriffen. Nur bei 20 Prozent aller Betriebe ging es dabei um Kosteneinsparungen im Mitarbeiterbereich.
Ein Großteil der Unternehmen investiert
71 Prozent der KMUs werden bis Ende 2009 gleich viel oder mehr investieren, bei 29 Prozent werden die Investitionen im nächsten Halbjahr zurückgefahren.
Eine stabile Auftragslage im Vergleich zum Vorjahr melden 43 Prozent der Betriebe. Mit jeweils 28 Prozent gleich groß sind die Anteile jener Betriebe, die eine bessere oder aber eine rückläufige Auftragslage feststellen.
Bemerkenswert kräftig ist das Signal jener Unternehmen, die sich von der Krise überhaupt nicht betroffen fühlen (53 Prozent aller KMUs): saldenmäßig zeigt sich eine verbesserte Auftragslage gegenüber dem Vorjahr um +33%.
In Abgrenzung des wirklichen Krisengeschehens dimensioniert sich der Anteil jener Unternehmen, bei denen die Auftragslage stark rückläufig ist, mit 9 Prozent, wobei der Tourismus hier mit einem relativen Anteil von 3 Prozent deutlich unterdurchschnittlich betroffen bleibt, der Sektor Transport/Verkehr mit 20 Prozent jedoch deutlich über dem Schnitt liegt. Kleinstbetriebe sind gegenüber anderen Betriebsgrößen etwa doppelt so häufig mit einem erheblichen Einbruch der Auftragslage konfrontiert.
Noch präziser als die Auftragslage spiegelt die Ertragslage die aktuelle wirtschaftliche Situation wider. Hier zeigt sich saldenmäßig eine Verschlechterung um -9 Prozent: Bei 45 Prozent der Unternehmen bleibt die Ertragslage gegenüber dem Vorjahr unverändert, 23 Prozent melden eine Steigerung, 32 Prozent eine Verschlechterung.
Intensiver Zusammenhang zwischen Ertragslage und Betroffenheit
Zwischen Ertragslage und Betroffenheit durch die Wirtschaftskrise besteht ein intensiver Zusammenhang: Bei den krisenfernen Unternehmen – also der Mehrheit von 53 Prozent der Tiroler KMUs – ergibt sich ein erfreulich positiver Saldo mit +19 Prozent. Auf der anderen Seite verschlechterte sich bei den stärker von der Krise betroffenen Unternehmen (27 Prozent) die Ertragslage drastisch.
Saldenmäßige Preissenkungen ergeben sich bei Banken/Versicherung, im Handel und im Verkehr/Transport. Teilweise großflächigere Erhöhungen zeigen sich in der Industrie, im Gewerbe/Handwerk sowie im Tourismus. Ein direkter Zusammenhang zwischen individueller Preispolitik und Wirtschaftskrise entsteht über die zwar naheliegende Reaktion, mit gestiegener Betroffenheit durch die Krise die Preise zu senken. Damit wird aber an der gefährlichen Schraube zur Ertragslage gedreht: Während nur 5 Prozent der von der Wirtschaftskrise überhaupt nicht betroffenen Unternehmen ihre Preise senkten, machten dies über 20 Prozent der stärker betroffenen Betriebe.
Generell hohe Zufriedenheit mit der Hausbank
Proaktive Verhaltensweisen in der Kommunikation mit den Banken tragen zur Sicherung der Liquidität bei, wenn sich Betriebskennzahlen im Wirkzusammenhang von Umsatz, Preisniveau und Ertrag zu verändern beginnen. 17 Prozent der befragten Unternehmen haben in letzter Zeit intensiver nach Unterstützung und Hilfe gesucht. Häufigste Ansprechpartner waren hier die Banken. Vor dem Hintergrund, dass die Banken eine entscheidende Rolle bei der Liquiditätssicherung und bei Investitionen spielen – zwei Bereiche, die in Krisenzeiten von besonderer Bedeutung sind – fällt das Ergebnis auf die Frage nach der Qualität der Kundenbeziehung zur Hausbank erfreulich positiv aus. Diese wird von einer großen Mehrheit der Betriebe positiv erlebt, beachtliche 57 Prozent sind sogar "sehr zufrieden". Der Anteil kritischer Betriebe liegt bei 12 Prozent.
Globalisierung, technischer Fortschritt, Ressourcenknappheit
Die Einschätzung der drei Megatrends Globalisierung, technologischer Fortschritt und Ressourcenknappheit in ihrer Wirkung auf das eigene Unternehmen fällt unterschiedlich aus.
Trotz des Konjunktureinbruchs wird die Globalisierung von einer knappen Mehrheit der Tiroler KMUs als positive Chance für den eigenen Betrieb gesehen. 36 Prozent sehen für ihren Betrieb durch den Faktor Globalisierung in erster Linie ein Risiko. Mit steigender Betriebsgröße wächst die positive Bewertung des Faktors Globalisierung: Sehen hier 50 Prozent der Kleinstbetriebe Chancen und Potenziale, so sind es 62 Prozent der Kleinbetriebe und 88 Prozent der Mittelbetriebe.
Eindeutig positiv wird der Faktor "technologischer Fortschritt" bewertet, wo eine deutliche Mehrheit von 71 Prozent eher Chancen als Risiken für den eigenen Betrieb erkennt.
Die als potentes Zukunfts– und Innovationsthema gehandelte Frage der Ressourcenknappheit wird von 61 Prozent stärker als Bedrohung, denn als Chance für den eigenen Betrieb bewertet. Die Ressourcenknappheit bereitet also einer Mehrheit der Tiroler KMUs in erster Linie Sorgen und weckt weniger stark den Ehrgeiz nach entsprechenden Optimierungen und Innovationsanstrengungen im eigenen Bereich.
Freude am Unternehmertum ungebrochen
Bei 19 Prozent der Unternehmer und Geschäftsführer der KMUs in Tirol hat die Wirtschaftskrise Spuren hinterlassen: Ihre Freude am Unternehmertum hat gelitten. Im Sektor Transport/Verkehr liegt dieser Anteil bei 60 Prozent, im Gewerbe/Handwerk bei 23 Prozent, in den anderen Sparten deutlich darunter. Je stärker das direkte Betroffenheitsgefühl durch die Krise, desto höher der relative Anteil an Unternehmern/ Geschäftsführern, deren Freude am Unternehmertum zumindest vorübergehend getrübt ist.
Trotzdem bleibt selbst bei den stark betroffenen Unternehmen eine mit 63 Prozent mehrheitlich ungebrochen positive Stimmung bestimmend. Dass die Krise auch indirekt die Freude trüben kann zeigen jene 10 Prozent der Unternehmer/Geschäftsführer, die keinerlei direkte Auswirkungen der Krise auf ihr Unternehmen konstatieren, deren Stimmung aber beispielsweise durch die öffentliche Verarbeitung leidet, oder wie es ein Unternehmer ausdrückt: "Die Diskussion geht mir einfach auf die Nerven. Aber mir gehen die ganzen Jammerer generell auf die Nerven. Man traut sich doch bitte heute gar nicht sagen, dass es einem gut geht. So weit haben wir es gebracht jetzt. Ehrlich, man traut sich nicht sagen, unserem Unternehmen geht es gut, das glaubt dir ja keiner, weil wir haben ja die Krise!“"
Überzogen pessimistische Stimmungslage
Im Verhältnis zu den tatsächlich wahrgenommenen betrieblichen Beeinträchtigungen durch die Wirtschaftskrise erscheint die Stimmungslage in der jeweils eigenen Branche überzogen pessimistisch – im Saldo zum Optimismusanteil ergibt sich ein Pessimismusüberhang von 13 Prozent. Der Blick über die eigene Branche hinaus auf die Stimmungslage in Tirol insgesamt fällt positiver aus: 36 Prozent Optimismuswahrnehmung gegenüber 33 Prozent an Pessimismuseinschätzung bringen einen kleinen positiven Überhang. Die Differenz zwischen Selbstbild und Gesamtwahrnehmung weist ein Spannungsverhältnis in einzelnen Sektoren auf: So bleiben der Tourismus, der Handel sowie der Sektor Transport/Verkehr für die eigene Branche deutlich pessimistischer als in ihrer Gesamteinschätzung Tirols.
Fortführung der Krisendiskussion hat keine Berechtigung
"Insgesamt wird eines ganz zentral deutlich", so Dr. Gerhard Wagner. “Das fortgesetzte Reden über die Krise und das sich ausdehnende Warten auf einen negativen Höhepunkt nervt die Unternehmer nicht nur, sondern fördert im Stil einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung unternehmungsfeindliche Stimmungen und Verhaltensweisen wie Verunsicherung, Lähmung, Demotivation und Angst, was eine ‘kritische Situation‘ nur steigert und sich fortgesetzt zu einer Krise auswachsen kann. Angesichts der empirischen Daten hat die Fortführung einer Krisendiskussion in Tirol keine Berechtigung.“
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